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Gibt es Gott? Wo liegt der Ursprung der Schöpfung?

Hengl trifft Bloéb: „Die Liebe stand immer über allem“

RollOn-Geschäftsführerin Marianne Hengl traf Schauspieler Gregor Bloéb zu einem Gespräch über seine Familie, das Glück von späten Schicksalsschlägen und die Frage nach dem Sinn des Lebens.

TT Interview mit Gregor Bloeb

Jeden Sommer lädt Marianne Hengl, Geschäftsführerin des Vereins RollOn Austria, für die Tiroler Tageszeitung bekannte Persönlichkeiten zu einem Gespräch. Dieses Jahr hat sie den Schauspieler Gregor Bloéb auf seinem Ansitz hoch über Pfaffenhofen getroffen. Mit ihm sprach Hengl über seine Familie, die Suche nach dem Sinn des Lebens und das Glück von späten Schicksalsschlägen.

Jeder hat sich schon einmal die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt. Was ist für dich ein sinnvolles Leben?

Gregor Bloéb: Wir gehen ja gleich in die Vollen. Der Sinn des Lebens ist das Leben an sich. Und dieses Leben fülle aus, koste es aus und mach was daraus! Dann wird es auch sinnvoll.

Gibt es also ein Geheimrezept für ein sinnvolles Leben?

Bloéb: Man kann niemandem vorschreiben, wie ein sinnvolles Leben auszusehen hat. Für jeden sind Werte und Inhalte anders. Jeder setzt Prioritäten anders. Deshalb muss auch jeder den Sinn für sich selber finden. Ob man ihn nun findet, das ist eine andere Frage. Auch ob es überhaupt sinnvoll sein muss? Wenn ich ehrlich sein darf, ich hatte nie wirklich ein Bedürfnis, die großen Abläufe, diese großen Dinge zu hinterfragen.

Welche Dinge meinst du?

Bloéb: Ich habe mich etwa noch nie auf die Suche nach Gott begeben. Ich habe ihn noch nie hinterfragt. Ich weiß: Vor Milliarden von Jahren entstand unser Universum. Und unsere Erde ist ein winziger Teil von Milliarden von Galaxien, die Tausende Lichtjahre voneinander entfernt sind. Ich bin nicht in der Lage, darüber nachzudenken, geschweige denn irgendetwas in dieser Dimension zu hinterfragen – weder emotional noch intellektuell. Vielleicht fehlt mir das Forscher-Gen oder ich bin schlichtweg zu blöd.

Jeder Mensch kennt Phasen des Kummers und des Leids, der Krankheit und Schmerzen. Sprudelt hierin auch eine Kraftquelle? Und welche Erfahrungen hast du diesbezüglich gemacht?

Bloéb: Ich begreife es als Glück, dass ich von den großen Schicksalsschlägen verschont geblieben bin. Sogar mit dem Tod, der ja unmittelbar zum Leben gehört und doch schmerzhaft ist, wurde ich erst als über 40-Jähriger konfrontiert. Es wäre also anmaßend, wenn gerade ich über das große Leid quatsche.

Glaubst du, dass das Leben eine Prüfung ist?

Bloéb: Nein. So etwas möchte ich auch nicht glauben. Wer soll mich denn prüfen? Und was wird denn abgeprüft? Und wenn ich nicht bestanden habe, kriege ich dann einen Fünfer? Der liebe Gott ist mit Sicherheit kein Lehrer. Durchgefallen, leider muss der Gregor die Pubertätsklasse wiederholen, oder was?

Was würde passieren, wenn man einem Kind verbietet, Fragen zu stellen?

Bloéb: Die Welt würde stehen bleiben und sich nicht mehr weiterdrehen. Beziehungsweise hatten wir das doch schon mal – damals, unter dem Namen „Schwarze Pädagogik“. Die darauf folgende Generation war verantwortlich für zwei Weltkriege.

Ich habe sehr oft die Erfahrung gemacht, dass Eltern ihren Kindern verbieten wollen, mich zu fragen, warum ich so aussehe, wie ich eben aussehe ...

Bloéb: Das ist ein Problem, denn so verschließen sich Menschen. Dabei ist Offenheit gut. Natürlich erlebt man als offener Mensch auch Verletzungen. Je offener du bist, umso schutzloser. Aber je mehr du einsteckst, desto mehr kannst du erleben. Von nichts kommt nichts. Zugegeben, es ist ein sehr kraftraubender Akt.

Woher nimmst du diese Kraft?

Bloéb: Aus der Liebe. Ein geliebter Mensch kann nie ein Schwächling sein. Aus Liebe entsteht Selbstbewusstsein. Und mit viel Selbstbewusstsein kannst du angstfrei und offen ins Leben treten.

Wo wir schon bei der Familie sind: Stört es dich, immer mit deinem Bruder Tobias Moretti verglichen zu werden? Löst das zwischen den Brüdern etwas aus?

Bloéb: Nein. Tut es nicht. Die Liebe zueinander stand in unserer Familie immer über allem. So sind wir aufgewachsen, wir kennen es nicht anders.

Und wenn ihr auf euren Erfolg angesprochen werdet?

Bloéb: Sowohl Tobias als auch ich wissen, dass Erfolg nur eine Blase ist, die kommt und auch zerplatzen kann. Auch dieses Wissen verbindet uns.

Was wird dein nächstes Projekt?

Bloéb: Am 4. September starten die Proben am Burgtheater zum Stück „Der Kandidat“ von Carl Sternheim. Premiere feiern wir am 31. Oktober. Ich spiele den Banker Russek, der sich langweilt. Und weil er über keinerlei Werte oder Prinzipien verfügt, will er in die Politik gehen. Die Partei ist nebensächlich, genauso der Preis, den er für seine Ambition zahlt.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Benedikt Mair, Tiroler Tageszeitung