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Radiosendung „Stehaufmenschen“ mit Martina Handle

Am Sonntag (3. Februar 2019) ist Martina Handle zu Gast bei Marianne Hengl und Rainer Perle in der Sendung "Stehaufmenschen", in Radio Tirol.

Es war ein normaler Flug, normales Wetter, ich hatte schon schwierigere Situationen. Im Landeanflug hat mich eine Windböe erwischt und mich gegen einen Baum gedrückt und dann bin ich auf den Boden geknallt. Ich habe innerhalb von 10 Sekunden gewusst, dass ich einen Querschnitt habe. Als Ärztin war mir sofort klar, was Sache ist.

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Martina Handle ist 1965 geboren und in Zürs aufgewachsen. Sie hat in Innsbruck Medizin studiert, wo sie ihren Mann Gerhart kennenlernte. 1991 wurde geheiratet. Sie haben gemeinsam zwei Kinder. Zusammen haben sie die Begeisterung für Sport gelebt. Drachenfliegen seit 1987, mehrere Bewerbe u.a. Damen-WM und jährliche, weltweite Streckenflugbewerbe, Höhenbergsteigen wie Chimborazzo, Cotopaxi und andere in Südamerika, Großglockner und Mont Blanc in Europa, Kitesurfen, Klettern und Mountainbiken. Irgendwie hat sie alles unter einen Hut gebracht und 1997 ihre Allgemeinmedizin-Ordination mit Schwerpunkt Ernährung und Sportmedizin eröffnet.

Sie führte ein intensives, arbeitsreiches und sehr glückliches Dasein, somit war ihr Flugunfall im Mai 2016 ein großer Einschnitt in ihrer aller Leben.

Der Unfall hat mir am Anfang mein Selbstwertgefühl genommen, ich bin immer Sportlerin gewesen, das hat mich ausgemacht, da war dann plötzlich ganz viel weg von mir.

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Ich war irrsinnig gern in der Luft, im Nachhinein betrachtet, hätte ich es lieber nicht gemacht, dann würde ich jetzt nicht hier sitzen. Aber es waren unglaubliche Momente dabei.
Auf der Intensivstation war mein größtes Problem, dass ich ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich mein Umfeld jetzt mit meinem Unfall mit hineingezogen habe. Ich habe dann den Unfall rekonstruiert und gesehen, dass ich keinen Blödsinn gemacht habe.

Meine Familie hat mir nie einen Vorwurf gemacht. Es haben mich alle irrsinnig unterstützt. Auch in der Reha, wo sie mich wieder selbstständig gemacht haben. Im Mai hatte ich den Unfall, im August bin ich schon das erste Mal im Handbike gesessen.

Siege: das erste Mal eine Hose selber anziehen, vom Rollstuhl ins Bett und wieder retour, dass du deine Hygiene selber machen kannst. Einfach, dass ich auch wieder alleine sein kann und nicht andauernd jemanden brauche. Alleine Auto fahren und den Tagesablauf alleine schaffen, wenn mein Mann mal ein paar Tage auf Geschäftsreise ist.

Auf der Intensivstation liegst du da wie ein Spiegelei, aber die Ärzte haben mich von Anfang an bei der Visite miteinbezogen, das war gut. Das war meine erste kleine Aufgabe, auch für mich selbst wieder Verantwortung übernehmen zu können und dass ich nicht nur machen lasse. Ich habe acht Monate nach meinem Unfall wieder zu arbeiten begonnen, es geht besser als erwartet. Ich mache wieder alles selber und die Patienten haben mich unglaublich nett aufgenommen. Und jetzt kann ich aus eigener Erfahrung nach sechs Monaten Krankenhaus viel erzählen.

Ich merke, dass Menschen irrsinnig hilfsbereit sind, v.a. in Ländern wie Italien oder Großbritannien. Viele sind sogar überschwänglich hilfsbereit, da muss man ihnen auch sagen, was man braucht, aber es kommt ganz viel Gutes zutage bei den Menschen.

Ich bin immer wieder verzweifelt, es gibt so viele Sachen, die ich noch nicht kann. Manchmal nervt es mich so richtig. Vor dem Unfall war ich durchwegs ein positiver Mensch, seit dem Unfall bin ich noch immer positiv, aber ich habe auch verzweifelte Phasen.