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Barbara Stöckl trifft den Vorarlberger Diözesanbischof Dr. Benno Elbs und Heike Eder, Vorarlbergs Behindertensportlerin des Jahres 2018, beim 26. Gipfel-Sieg von RollOn Austria in Zürs am Arlberg

Heike Eder: "Ich bin gläubig erzogen worden, in der Jugend habe ich das in Frage gestellt. Der Unfall war dann ein Knackpunkt und ich habe gezweifelt und die Frage nach dem Warum gestellt. Mittlerweile bin ich inkonsequent ungläubig. Ich habe ein Studium gemacht und wissenschaftlich glaube ich an Fakten, die man beweisen kann. Aber in Situationen die gut laufen oder in Todesfällen merke ich sehr wohl, dass ich ein inneres Gespräch mit Gott führe."

Dr. Benno Elbs, Vorarlberger Diözesanbischof: "Die Kirche soll und muss Vorbild sein im Umgang mit Menschen mit Behinderung. Ich glaube, dass Menschen mit Behinderung mit großem Respekt und Würde zu begegnen ist und das ist auch eine politische Diskussion. Wenn ich höre dass diskutiert wird Menschenwürdig oder Menschenunwürdig ist dann werde ich zornig, denn wer entscheidet das? Und da muss die Kirche eine klare Meinung haben. Es steht niemandem zu darüber zu urteilen was lebenswert und lebensunwert ist."

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Wir fahren hinauf zum Trittkopf und präsentieren die barrierefreie Gondel, den barrierefreien Berg und das wunderschöne barrierefreie Panorama-Restaurant. Das Gespräch von Barbara Stöckl mit dem Bischof und der Behindertensportlerin findet dann im Zürserhof statt.

Ausgestrahlt wird die Fernsehsendung „Gipfel-Sieg“ aus Zürs am Arlberg - auf ORF III - an folgenden Tagen: 
Karsamstag, 20.4.2019; am späten Nachmittag.
Samstag, 30.11.2019; am späten Nachmittag.

20190227 161437Das RollOn-Team am Trittkopf

Heike Eder, die Kämpferin. Vom Rollstuhl hält sie sich mit eisernem Training und viel Disziplin fern. Schicksalsschlag, privates Glück, Erfolg in Beruf und Sport, und jetzt auch Politik: das erfüllte Leben der Heike Eder.
Ihr gehörten damals, an den Tagen nach dem 28. November 2006, alle Sympathien, alles Hoffen und Bangen zahlreicher Vorarlberger. Doch die damals 18-jährige Batschunser Skirennfahrerin Heike Türtscher hatte nach einem furchtbaren Trainingssturz in Obergurgl kein Glück. Schon bald nach ihrer Einlieferung in die Spezialklinik Murnau war klar: Der Teenager würde für immer querschnittsgelähmt bleiben.

Dr. Benno Elbs, Vorarlberger Diözesanbischof, 1960 in Bregenz geboren, Studium der Theologie in Innsbruck und Paris. Ausbildung Logotherapeut und Existenzanalyse, 1986 zum Priester geweiht, vor seiner Ernennung zum Bischof am 8. Mai 2013 war er Diözesanadiminstrator.

Christen sollten ihre Freude zeigen und nicht aussehen wie in essig eingelegte Pfefferoni. "Das Berührtsein gehöre zum Menschsein dazu.“ Wer berührt wird, hat das Gefühl dazuzugehören.“ Wie hat Benno Elbs dieses Anrühren erfahren? Er sagt in der Familie, wo bedingungslos Ja gesagt wird. Wichtige Erfahrungen machte er sieben Jahre lang als Sanitäter. Er habe drei Geburten im Rettungsauto miterlebt. Eine Geburt sei für ihn ein leises Berühren Gottes.
Es könne auch am anderen Ende des Lebens ein leises Berühren geben. „Den kostbaren Unterricht des Lebens bekommt man an Sterbebetten“, zitiert Benno Elbs Hilde Domin. Er habe oft an Sterbebetten Hoffnung und Vertrauen in das Leben erfahren, sagt Benno Elbs. Wunderbare Versöhnungsgespräche oder Musik könnten ebenso ein solch leises Berühren sein. Er könne nicht mit Engelserscheinungen aufwarten, aber es habe in seinem Leben bisher viele Engel ohne Flügel gegeben.

20190227 172625Wir bedanken uns bei der Ski Zürs AG, Trittkopfbahn für das Zustandekommen dieser wertvollen Fernsehserie.

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Heike Eder, die Kämpferin. 
Das strahlende Lächeln ist Heike, die seit einem Jahr als verheiratete Frau im Nachnamen Eder heißt, geblieben, und aus dem Mädchen, ist eine starke Frau geworden. Eine Frau, die alles erreichte, was sie sich vorgenommen hat.
„Hinter mir liegt gerade ein sehr gutes Jahr. Ich habe geheiratet, verfolge mit meinem Mann Hausbaupläne und holte bei den Paralympics im Vorjahr eine Bronzemedaille im Slalom“, strahlt Heike. Heike Eder wurde 2018 Vorarlbergs Behindertensportlerin des Jahres.

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Kaum war sie aus der Unfallklinik weg, studierte sie Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck, machte den Bachelor. Den Master für Personal Management holte sie berufsbegleitend nach. Seit fünf Jahren arbeitet Heike Eder im Personalbüro der Arbeiterkammer in Feldkirch. Dort hat sie es bis zur Leiterin gebracht.
„Ich sehe das Leben als Spielwiese, das dir viel bietet. Nütze dieses Leben, denn Dinge können sich schnell verändern. Das habe ich erlebt.“ Heike ist zu einer Meisterin im Reflektieren und Analysieren geworden. Das braucht sie nicht nur für sich, sondern auch beruflich. Wenn ihr, der Personalleiterin, Menschen gegenübersitzen, die klagen, begehren, fordern oder bitten. „Natürlich hat mich der folgenschwere Unfall verändert. Ich bin dadurch sicher ehrgeiziger und ambitionierter geworden. Ich klage nicht mehr so schnell und wundere mich wiederholt darüber, wie viele Menschen über Kleinigkeiten jammern“, sagt die erfolgreiche Versehrtensportlerin und Managerin.

„Wäre mir dieser Unfall nicht passiert, wäre ich wohl Physiotherapeutin geworden. Ich hätte mich gewiss nicht in ein Studium hineingekniet“, beschreibt Eder die Folgen ihres Schicksalsschlags, dem sie mit ihrem Mut und ihrem Optimismus schon längst die Zähne gezogen hat. Mit viel Training hat sie es geschafft, aus dem Rollstuhl zu kommen. Heike bewegt sich schon lange auf Krücken. „Klar hatte ich auch das Glück, dass der Grad meiner Verletzung eine solche Entwicklung zuließ.“

Entwickelt hat sich vor allem die Persönlichkeit der starken jungen Frau mit dem unbeugsamen Willen. Seit Kurzem ist die beruflich und sportlich erfolgreiche Batschunserin als Bundesratersatzmitglied für Martina Ess auch in den politischen Ring gestiegen. Ihre Motivation dafür? „Ich liebe Vorarlberg und möchte meiner Heimat in dieser Form etwas zurückgeben.“

Details am Rande zu Heike’s Ehemann. Armins Behinderung ist Ergebnis eines Tauchunfalls im Jahre 2006. Er kämpfte sich zurück. Heuer peilt der promovierte Ökonom die Qualifikation für den Europacup an. Für ihn persönlich stehen Spaß und Freude am Sport im Vordergrund. „Vielleicht trägt der Sport auch dazu bei, Vorurteile abzubauen und den gegenseitigen Respekt zu fördern.“