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Barbara Stöckl trifft Klaus Maria Brandauer und Silke Naun-Bates beim 15. „Gipfel-Sieg“ in Galtür

Der 15. „Gipfel-Sieg: Der Wille versetzt Berge“ führte uns am 18. November 2016 ins Alpinarium nach Galtür. Das Alpinarium Galtür ist eine einzigartige Symbiose aus Lawinenschutzmauer, Gedenkstätte und Ausstellungszentrum.

Silke Naun-Bates: Auf den Berg klettern alleine würde nicht gehen, aber das ist für mich keine Grenze, das können viele andere auch nicht. Aber wenn jemand zu mir gesagt hat das geht nicht zB Kinder kriegen, dann kam ein bisschen Trotz. Ich muss das Minimum probieren. Ich muss eine eigene Erfahrung machen, um sagen zu können geht oder geht nicht.

Klaus Maria Brandauer: Ich hab mir immer vorgestellt, jetzt treff ich die Frau Naun-Bartes und die hat keine Beine, was mach ich, wie bin ich und hoffentlich spiele ich keine Rolle. Jetzt spiel ich gar keine mehr, weil sie haben mir das Vertrauen gegeben, dass wir mit ihnen umgehen können wie mit jedem normalen Menschen, das heißt sie sind normal, außer dass sie mit acht Jahren ihre Beine verloren haben.

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Klaus Maria Brandauer: Und all das was ich mir vorher über Frau Naun-Bates dachte, was mich bewegen wird, bewegt mich auch noch, aber nicht mehr so, dass ich Angst davor habe. Und das ist das Entscheidende, dass wir aufeinander zugehen möglichst normal. Aber das entscheidende ist der Impuls, das ist ganz dumm gesprochen, geht natürlich meistens von denen aus, die es betrifft. Die umarmen uns. Und was wir tun ist manchmal so, dass man sagt, wir haben Berührungsängste das heißt aber nicht, dass wir uns auf die anderen verlassen dürfen, dass die entgegen kommen. Das wirkliche Entgegenkommen muss schon von uns sein.

Mit acht Jahren verlor die deutsche Staatsbürgerin Silke Naun-Bates bei einem Zugunfall Ihre Beine: Damals wurde ihr ein Leben als Pflegefall prophezeit. Dass sie nie eigene Kinder haben könnte, keinen Mann finden und arbeitslos bleiben würde. Doch die heute 48 – Jährige hat es allen gezeigt. Heute ist die Sozialpädagogin, die vor kurzem ihr Autobiografie „Mein Weg in die Freiheit“ veröffentlicht hat, zum zweiten Mal verheiratet und Mutter zweier, erwachsener Kinder. Sie meistert ihren Alltag selbstständig. Mit ihrem Mann lebt sie in einem kleinen Haus in der Nähe von Heidelberg.
Silke Naun-Bates hat sich durch ihre scheinbare Behinderung nie entmutigen lassen: „Warum auch, Glück entsteht im Kopf und ist eine Entscheidung.“

Klaus Maria Brandauer: Seit 1972 gehört der Schauspieler dem Ensemble des Wiener Burgtheaters an. Dort spielte er u.a. Don Karlos, Hamlet, Cyrano de Bergerac, Nathan der Weise sowie – immer noch auf dem Spielplan - König Lear. Am Berliner Ensemble war er als Wallenstein und Ödipus auf Kolonos zu erleben und steht als Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ und als Krapp in Samuel Becketts „Das letzte Band“ auf der Bühne. Zu seinen wichtigsten Filmarbeiten gehören neben der gemeinsam mit Istvan Szabo verwirklichten Trilogie „Mephisto“ – „Oberst Redl“ – „Hanussen“ auch „Georg Elser – Einer aus Deutschland“ sowie „Mario und der Zauberer“ bei denen er auch Regie führte. Für seine Arbeit und sein gesellschaftliches Engagement hat Klaus Maria Brandauer zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten. Schließlich wurde er als einer der wenigen Deutschen in Hollywood 1981 mit einem Oskar für den Film Mephisto in der Rolle des Hendrik Höfgen belohnt. 

Wir danken der Gemeinde, dem Alpinarium Galtür und dem Tourismusverband Paznaun-Ischgl für ihre Unterstützung.

Dieses 45-minütige Gespräch wurde an folgenden Tagen auf „ORF III Kultur und Information“ ausgestrahlt:

Erstausstrahlung: 26.12.16 / 17:15 Uhr – ORF III
Wiederholungen: 27.12.16 / 02:45 Uhr; 28.12.16 / 00:45 Uhr; 29.12.16 / 05:05 Uhr – ORF III

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