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Was uns kränkt

Andrea Laimer von frauen.kom. besucht RollOn-Obfrau Marianne Hengl in Innsbruck für die Zeitschrift der Katholischen Frauenbewegung Salzburg.

Frauen.kom: Inwiefern haben beeinträchtigte Frauen mit anderen Herausforderungen zu kämpfen als beeinträchtigte Männer? Anders formuliert: Ist Frausein ein Vor-, ein Nachteil oder gar vielleicht egal, wenn es um ein Leben mit Behinderung geht?

Über diese Frage habe ich mir ganz ehrlich noch keine Gedanken gemacht. Ich versuche die Gesellschaft mit meiner Arbeit und mit meiner Lebenseinstellung zu überzeugen und ich glaube, dass es gerade in Zeiten wie diesen unbeschreiblich wichtig ist Verantwortung zu übernehmen. Zivilcourage zeigen und aufstehen, wenn Ungerechtigkeiten passieren. Wenn man das Glück hat, dass es einem gut geht, dann soll man auch der Gesellschaft einmal etwas zurückgeben. Sozusagen immer wieder einmal auch etwas Gutes tun.

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frauen.kom

Die Elternschaft von behinderten Menschen ist leider noch immer ein gesellschaftliches Tabu! Doch ich habe mich davon nicht von meinem Traum – eine eigene Familie zu haben – abhalten lassen.

Sabrina Nitz: "Ich bin Rollstuhlfahrerin und eine stolze Mama von einem gesunden 7-jährigen Jungen. Aufgrund meiner starken körperlichen Behinderung nehme ich Assistenzleistungen für meine Pflege, den Haushalt und für Freizeitaktivitäten in Anspruch. Gleichzeitig habe ich die Aufgabe, mein Kind gut zu betreuen und zu versorgen. Dies ist für mich möglich, durch die Hilfe meiner Persönlichen Assistentinnen und dank der großartigen Unterstützung meines Lebenspartners und meiner Mutter. So kann ich ein selbstbestimmtes Leben führen und all die unterschiedlichsten Rollen – Lebenspartnerin, Mutter, Hausfrau und Angestellte – des Lebens wahrnehmen, wie eine Frau ohne Behinderung auch."

Behinderung und Elternschaft sind gut miteinander vereinbar, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten vorhanden sind. Wichtig dabei ist: Sich vorher klar zu machen, was ich alles für mein Kind tun kann und in welchen Bereichen ich Hilfe benötige. Das bedeutet Inklusion leben!

- Sabrina Nitz, Behindertenaktivistin Reiz - Selbstbestimmt Leben, Vorarlberg

Sabrina und Jaimi

Wir leben in einem Land in dem immer noch die Behinderung als das Problem gilt und nicht die eigentlich behindertenfeindliche Gesellschaft.

Bis heute ist die Abtreibung bis kurz vor Einsetzen der Wehen straffrei, wenn eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein werde. Mit diesem Gesetz diskriminiert unser Rechtsstaat Menschen mit Behinderung schon im Mutterleib, indem er ein Leben mit Behinderung als weniger schutzwürdig und minderwertiger sieht als ein Gesundes, dies ist die Menschenwürde verletzend. Ja ein Leben mit Behinderung ist für alle und auch für die gesamte Familie eine Herausforderung und es bedarf jede Unterstützung, aber es ist lebenswert. Eine Behinderung ist nämlich kein Schadensfall, sondern eine Varietät des menschlichen Lebens!

- Stephanie Pletzenauer, Gemeinderätin in Fieberbrunn - Tirol

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Es kommt immer wieder vor, dass das Parkverbot auf Behindertenparkplätzen von nicht berechtigten Personen missachtet wird. Was passiert, wenn ein behinderter Mensch alle Behindertenparkplätze besetzt findet und sich auf einen „normalen“ Parkplatz stellen muss?

Es kommt sehr häufig vor, dass mann/frau eingeparkt wird, d.h. sie nicht mehr zum Auto kommen, da der Abstand zu schmal war. Das bedeutet: verzweifelt warten müssen, bis der Nachbar zu seinem abgestellten Fahrzeug zurückkommt, was manchmal sehr, sehr lange dauern kann.
Man bedenke auch, dass meist von normalen Abstellplätzen zum Gehsteig keine Abschrägungen vorhanden sind und dadurch die große Gefahr des Umkippens für RollstuhlfahrerInnen besteht. Für gehbehinderte Menschen heißt dies, dass sie längere Wegstrecken zurücklegen müssen, um ans Ziel zu gelangen.

- Katharina Wiesmüller, Kaprun - Salzburg

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Als Bittsteller und Opfer bezeichnet zu werden ist oft sehr entwürdigend, das sind jedoch häufig gewählte Darstellungsformen über Menschen mit Behinderungen.
Ja, viele von uns sind täglich auf Hilfe angewiesen und trotzdem wünschen wir uns, dass sich so manche "Seitenblicke-Menschen" dabei nicht ständig rühmen und bei jeder Gelegenheit öffentlichkeitswirksam „ihr soziales Federl anstecken“, wenn sie für uns Gutes tun.

- Marianne Hengl, Obfrau RollOn Austria

Marianne beim Dreh