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Schauspieler Heinz Fitz in der Radio Tirol Sendung "Stehaufmenschen" am Sonntag, 1. März um 20.04 Uhr

Er brillierte zuletzt im Film über den von den Nazis ermordeten Götzener Pfarrer Otto Neururer. In der Sendung erzählt er von seinem eigenen Leidensweg, geprägt von sexuellem Missbrauch in der Kindheit, einem daraus resultierenden Selbstmordversuch und Alkoholismus.

Selbstmordversuch mit zwölf
Körperlich und seelisch verletzt unternahm er als Zwölfjähriger einen Selbstmordversuch, den er nur mit viel Glück überlebte. Später verschlug es Fitz nach Deutschland, wo er Schauspieler wurde. Doch die Vergangenheit sollte ihn einholen und er ist dem Alkohol verfallen.

Wie er davon wieder loskam und heute trotz der schwerwiegenden Folgen einer Borreliose-Erkrankung zu Zufriedenheit gefunden hat, erzählt Heinz Fitz als Gast von Rainer Perle und Marianne Hengl in der Sendung Stehaufmenschen, am Sonntag um 20.04 Uhr in Radio Tirol.

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Wenn das eigene Leben die mit Abstand schwierigste Rolle ist

Schauspieler Heinz Fitz (77), heuer für seinen Part in einem Film über Otto Neururer prämiert, hat als „Lebensborn“-Kind auch abseits der Bühne viel Dramatisches erlebt.
„Die Leute hat wohl beeindruckt, dass ich so viel von mir selbst preisgab", sagt Heinz Fitz — und meint damit seine Rolle im mehrfach preisgekrönten Doku-Spielfilm „Otto Neururer — Hoffnungsvolle Finsternis" (2019) von Hermann Weiskopf. Im Film über den von den Nazis ermordeten Tiroler Priester spielt der 77-jährige Fitz, der in Lustenau aufwuchs und seit 23 Jahren in Tirol lebt, sich selbst: einen gealterten Schauspieler — und ein „Lebensborn"-Kind.

„Lebensborn" war ein SS-Verein mit dem Ziel, dem Dritten Reich „erbgesunden" Nachwuchs zu liefern. Mit allen Mitteln: Heinz Fitz' Mutter war 1942, wenige Wochen vor seiner Geburt, aus Kirkenes in Nord-Norwegen nach Vorarlberg verschleppt worden. Fitz' leiblicher Vater war ein überzeugter Nazi aus Hohenems. Der kleine Heinz wurde seiner — erkrankten — Mutter weggenommen, in der Folge erlitt er auch sexuellen Missbrauch. „Erst 1946 fand mich meine Mutter über das Rot¬e Kreuz wieder." Seinen leiblichen Vater, der ihn verleugnete, sollte er erst am Sterbebett kennen lernen, ein stummer Händedruck wurde zu einer Art von später Versöhnung.

Fitz arbeitete zunächst in einer Stickerei, erst mit 23 fiel die Entscheidung, Schauspieler zu werden. Mit James Dean als Vorbild, etwas Geld aus einem Bausparvertrag in der Tasche und im breitesten „Luschnouer" Dialekt bewarb er sich in Wiesbaden an der Schauspielschule. Seine erste große Rolle hatte er 1968/69 an der Landesbühne Rheinland-Pfalz in „Des Teufels General". In den folgenden Jahrzehnten führte seine Karriere über viele Stationen — in Lübeck hatte er sogar das Angebot, ein Theater zu übernehmen —, ehe mit 54 der Schock kam: Fitz wurde bei den Städtischen Bühnen Münster gekündigt. Zum „Retter" wurde Dominique Mentha, seit 1992 Intendant des Tiroler Landestheaters und zuvor Oberspielleiter in Münster, der Fitz nach Innsbruck nachholte.

1997 folgte der nächste Schlag: Nach einem Zeckenbiss erkrankte Fitz an Borreliose. Dennoch blieb er bis 2008 Ensemblemitglied. „Mentha und auch Brigitte Fassbaender störte meine Krankheit nicht", sagt Fitz, dafür sei er bis heute sehr dankbar.
Seit 16 Jahren lebt Fitz nun in einem 300 Jahre alten Bauernhaus in Igls, mit sechs Katzen, neun Hühnern und drei Hähnen, die er liebevoll betreut. Froh ist er über die Unterstützung von Freunden, die ihm seit der Pensionierung immer wieder kleinere Rollen verschaffen: Schon 2016 setzte er sich in Madeleine Weilers Stück „Brunnenlichte¬r" (Regie: Mona Kraushaar) mit seiner Geschichte als „Lebensborn"-Kind auseinander. Auch Klaus Rohrmoser, jahrelang Fitz' Schauspielchef am Landestheater, besetzte ihn beim Tiroler Dramatikerfestival oder zuletzt für ein Hörbuch mit erotischen Texten („17 und 4"), das 2020 erscheinen soll. Thomas Gassner („Feinripp-Ensemble") zählt er ebenfalls zu seinen Freunden — und eben Regisseur Weiskopf, mit dem er zuvor schon im Film „Zersplitterte Nacht" (über die Reichspogromnacht 1938) gearbeitet hatte.

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