Stefanie Gründler ist Gast von Marianne Hengl und Diana Foidl in ORF Radio Tirol "Stehaufmenschen"

Stefanie Gründler hat die seltene Glasknochenkrankheit, das heißt ihre Knochen brechen extrem schnell und ohne starke Gewalteinwirkung. Die 43-Jährige ist mit einer Lebenserwartung von drei Jahren ins Leben gestartet. Doch Stefanie überlebt – und trotzt seither allen Prognosen. In der Radiosendung „Stehaufmenschen“ erzählt sie ihre bewegende Geschichte.
Gleich nach Stefanie Gründlers Geburt am 7. März 1983 in Kufstein erleidet die Tirolerin die ersten Knochenbrüche. Die Diagnose: Osteogenesis imperfecta. Mehr als 100 Knochenbrüche und rund 40 Operationen folgen.
Die Radiosendung zum Nachhören:
Geboren für den Widerstand
Ihre Kindheit ist geprägt von Gipsverbänden, Krankenhausaufenthalten – und unbändigem Lebenswillen. Stefanie ist schnell, neugierig und laut. Mit gebrochenem Arm geht sie zur Schule, mit Gips ins Konzert. Zwar bleibt ihr die Skiwoche verwehrt, bei der Schwimmwoche ist sie aber dabei – und besteht das Seepferdchen.
Der Vergleich mit ihrer jüngeren, gesunden Schwester schmerzt. Radfahren, Laufen, Klettern – all das kann Stefanie nicht machen. Lange macht sie ihrer Schwester dafür Vorwürfe. Erst im Zuge ihrer Ausbildung zur Mentaltrainerin erkennt sie: Auch ihre Schwester hätte Unterstützung gebraucht.
Stefanie Gründler mit ihrem Neffen. Sie ist 1,10 Meter groß und kann wenige Schritte ohne ihren Rollstuhl gehen
Zwischen Wut und Selbstbestimmung
Operationen, Fixateure und Schmerzen bringen Stefanie, aber auch ihre Familie an ihre Grenzen. Stefanie spürt irgendwann: So geht es nicht weiter. 2016 zieht sie in eine barrierefreie Wohnung in Kufstein. Ein Schritt in die Selbstständigkeit und auch eine Entlastung für ihre Mutter.
Heute beschreiben beide ihr Verhältnis als neu und auf Augenhöhe. „Ich war oft gemein, weil ich so wütend war“, sagt Stefanie rückblickend. Die Wut ist geblieben – aber sie hat eine neue Richtung bekommen.
Arbeit, Liebe und neue Wege
Nach der Handelsschule macht Stefanie den Führerschein – ein Symbol für Freiheit. Viele Bewerbungen bleiben unbeantwortet, bis sie schließlich bei der Bezirkshauptmannschaft Kufstein Fuß fasst. 22 Jahre lang arbeitet sie dort, zuletzt im Umweltreferat.
Auch die Liebe findet sie, nach Jahren in denen sie viel Ablehnung erfahren musste. Ein Satz blieb hängen: „Intellektuell super, aber mit gesundem Körper wäre es besser.“ 2016 lernt sie ihren Nachbarn kennen, ein halbes Jahr später sind sie ein Paar. Gemeinsam reisen sie – im Oman trägt er sie in einer Kraxe durch die Wüste. „Wir fordern und fördern uns gegenseitig“, sagt Stefanie.
Stefanie Gründler: Zäh, stur und schön
Mut weitergeben
Heute will Stefanie Gründler ihre Erfahrungen nutzen, um anderen Mut zu machen. Sie absolviert eine Ausbildung zur Mentaltrainerin und plant den Schritt in die Selbstständigkeit. Ihr Credo: „Nur Handlung ist Wandlung.“
Lange fühlte sie sich auf ihre Behinderung reduziert, heute weiß sie: Sie ist mehr als ihre Einschränkung. Sie ist sichtbar. Und sie hat etwas zu sagen.
In der Radiosendung „Stehaufmenschen“ erzählt Stefanie Gründler ihre ganze Geschichte – eine Geschichte von Trotz, Schmerz, Lebensfreude und Selbstermächtigung.
Dieser Beitrag begleitet die Sendung „Stehaufmenschen“ mit Diana Foidl und Marianne Hengl, Radio Tirol, Sonntag, 1. März 2026, 20.04 Uhr.
